Stellungnahme des Vereins der Freunde und Förderer des Botanischen Gartens des KIT i.Gr. zum Bebauungsplan KIT Campus Süd/ Adenauerring

Bei dem wissenschaftlichen Botanischen Garten des KIT handelt es sich um ein Jahrhunderte altes kulturelles Erbe, welches besonders mit dem Namen Joseph G. Kölreuter verbunden ist, der ab 1761 im Markgräflichen Dienst in Karlsruhe wirkte und durch seine Forschungsergebnisse zum Wegbereiter für die Entwicklung der Genetik und damit der modernen Molekularbiologie
wurde.

Dieses Erbe zu beseitigen, indem man das gegenwärtige Grundstück des Botanischen Gartens des KIT zu Brachland erklärt, um es komplett mit profanen Bürogebäuden zu bebauen, verbietet sich allein schon aus Respekt vor den großen Leistungen, die von den zugehörigen Botanikern in der Vergangenheit erbracht wurden. Die vom Botanischen Institut als Betreiber des Botanischen Gartens des KIT schon immer mit großer Intensität durchgeführten Bildungs- und Forschungsaufträge sind gerade in heutiger Zeit besonders wichtig und wertvoll – man denke nur an die bereits sichtbaren Auswirkungen des weltweiten Klimawandels auf die lokale Vegetation und die bereits schmerzlich festzustellenden Probleme der Landwirtschaft in und außerhalb der Region. Die Stadt Karlsruhe wirbt mit dem Motto “Grüne Stadt” schon seit längerem massiv um Sympathien für das Thema Ökologie. Eine Grün-Zerstörung wie sie mit der Beseitigung des Botanischen Gartens des KIT einhergeht lässt sich in keiner Weise damit in Einklang bringen. Im Übrigen steht das auch im Gegensatz zu öffentlichen Stellungnahmen des KIT-Präsidiums: So wird beispielsweise Prof. Hanselka in den Badischen Neusten Nachrichten vom 15.Februar 2017 anlässlich einer Pflanzaktion auf dem Campus zitiert: „Wir dürfen einen so schönen Campus nicht zupflastern.“ Auch das dem Zukunftcampus angegliederte „Grüne Campus Büro“ ist laut gleichem Artikel bestrebt den KIT-Campus in „einem nachhaltigen Funktionszusammenhang stadtstrukturell, ökologisch und sozialpolitisch zu einer grünen Modelllandschaft machen“. Als weiteres gilt es festzuhalten, dass das KIT und die Stadt Karlsruhe im Bebauungsplan von der notwendigen Erweiterung des KIT Campus Süd sprechen. Wir verweisen darauf, dass der Botanische Garten des KIT eine der ersten Institutionen der Technischen Hochschule ist, ja sogar älter als diese selbst. Das Gelände dient demnach nicht der Erweiterung des KIT, denn es ist ja bereits langjähriger Bestandteil des KIT und mit seiner Exoten- und Artenschutzsammlung ein Vorzeigeareal des Campus Süd! Eine Korrektur erfordert die Darstellung der Planer des KIT und der Stadt Karlsruhe, dass lediglich die Brachfläche zur Bebauung vorgesehen ist. Richtig ist, dass die gesamte südliche Fläche des Botanischen Gartens des KIT schon im ersten Bauabschnitt verschwinden soll. Der Bebauungsplan besagt, dass die schützenswerten Pflanzen des Botanischen Gartens an den neuen Standort in der Kornblumenstraße verpflanzt werden sollen. Wir stellen uns die Frage, wie dies praktisch durchführbar ist. Wenn alle schützenswerten Pflanzen aus der Artenschutzsammlung verlagert werden sollen, dann benötigt man eine wesentlich größere Fläche. Müssen also viele exotische Pflanzen, die es in Karlsruhe nicht zweimal gibt, auf der Strecke bleiben? Im Bebauungsplan gibt es keinerlei Hinweise, welcher Pflanzenbestand – abgesehen von wenigen Bäumen – laut Gutachten schützenswert ist. Inwieweit das für den Bebauungsplan erstellte Artenschutzgutachten die Pflanzen des Botanischen Gartens in Gänze berücksichtigt, ist nicht ersichtlich. Das KIT hat also das Gelände des Botanischen Gartens aufgegeben, hat jedoch bis heute keinen konkreten Plan für die Alternative Kornblumenstraße vorgestellt. Unserer Meinung nach steht das KIT in der Pflicht, seine Pläne für die Kornblumenstraße im Detail darzulegen, insbesondere ist die zugehörige Finanzierung zu sichern. Außerdem sind in die Planungen auch solche Gewächshäuser und Freiflächen einzubinden, die für eine attraktive Öffentlichkeitsarbeit erforderlich sind. Insofern bleibt abzuwarten, ob die Pflanzen in der Kornblumenstraße Platz finden, oder ob Teile auf dem Gelände verbleiben können. Solange dies nicht geklärt ist, kann der Bebauungsplan keine Gültigkeit erlangen. Wie allen bekannt ist, haben ca. 6500 Bürger eine Petition für den Erhalt des Botanischen Gartens am Adenauerring unterschrieben. Diese öffentliche Meinung sollte nicht ignoriert sondern vielmehr ernsthaft in die Planung eingebunden werden. Zur künftigen Ausgestaltung und Nutzung der südlichen und nördlichen Gebäude und Freiflächen für den zweiten Bauabschnitt ist noch wenig bekannt. Das KIT selbst hat noch keine Planungen und keine Nutzungsabsichten hierfür vorgelegt. Insofern ist der Bebauungsplan als ein Angebot der Stadt Karlsruhe zu verstehen, wie denn die künftige Ausgestaltung aussehen darf. Laut dem Bebauungsplan-Entwurf sind die Gewächshäuser des Botanischen Gartens des KIT nicht denkmalgeschützt, es ist vorgesehen, das Gelände neu zu “überbauen”. Wir meinen, dass man das botanische Erbe dieses Geländes nicht vergessen, sondern in obigem Sinne nutzen und eine entsprechend “grüne” Bebauung gemäß den KIT-eigenen nachhaltigen Zielen für einen ökologisch vorbildlichen Campus weiterentwickeln sollte. Das KIT und die Stadt Karlsruhe sollten die Planungen für die Nutzung und die Bebauung dieser Flächen mit wesentlich größerer Transparenz und unter Einbeziehung der betroffenen Interessens-vertreter wie Institutsleiter und Förderverein planen. Wir schlagen konkret vor, dass diese Interessensvertreter in das Planungsteam für den Masterplan bzw. in die weiteren Planungen am Adenauerring einbezogen werden. Das KIT möge auch bei den weiteren Planungen für die Nordseite des Geländes Transparenz walten lassen und seine Absichten frühzeitig darlegen. Bis heute ist dies noch nicht geschehen. Man könnte ja tatsächlich eine Idee des KIT aufgreifen und für den Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft ein nachhaltig konzipiertes und vorzeigbares Center of Dialog schaffen, das z.B. der pyramidenartigen Glasarchitektur-Tradition des heutigen Palmenhauses folgt und mit dem auch die Errungenschaften der botanischen Forschung, die hier in der Vergangenheit erzielt wurden, angemessen gewürdigt werden.
Im Namen des Vorstands des Vereins der Freunde und Förderer des Botanischen Gartens des KIT i.Gr.
Michael Riemann, Erster Vorsitzender

2 Gedanken zu „Stellungnahme des Vereins der Freunde und Förderer des Botanischen Gartens des KIT i.Gr. zum Bebauungsplan KIT Campus Süd/ Adenauerring“

  1. Schade, jetzt hatte ich gerade einen recht ausführlichen Kommentar zum Erhalt des Botanischen Gartens der KIT geschrieben.
    Als ich ihn abschicken wollte, habe ich die Einverständniserklärung übersehen, und weg war er. Nirgendwo mehr zu finden. Das kann doch wohl nicht wahr sein!

    1. Guten Abend Herr Hartweg,

      leider sehe ich da keine Möglichkeit den Kommentar noch zu retten. Er ist nichtmal bei uns an der Webseite angekommen, sondern direkt bei ihnen “hängengeblieben”. Das ist ziemlich ärgerlich, wenn er ausführlich war und es tut mir leid, dass ich ihnen da nicht weiterhelfen kann.

      Ihnen noch einen schönen Abend. Viele Grüße,
      Felix Diel

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